Liebe Freunde und Förderer von Kloster Haydau,

die afghanische Zivilbevölkerung, insbesondere die Frauen und Kinder, leiden nach 22 Kriegsjahren unter katastrophalen Verhältnissen. In Afghanistan gibt es weder eine auch nur halbwegs intakte Infrastruktur noch ein funktionierendes Gesundheitssystem, dafür aber tausende von Landminen, die täglich zahlreiche Menschen, überwiegend Kinder, verletzen und töten.

Die deutsche Krankenschwester Karla Schefter lindert seit 1989 in Afghanistan das Leid. Sie hat südlich von Chabul in Chak aus einem zerstörten Kraftwerk ein Krankenhaus errichtet, das sie auch leitet. Es ist Anlaufstelle und ein Ort der Hilfe für die Menschen aus allen Provinzen. Zahlreiche Auftritte im Fernsehen und ihr Buch „Weil es um die Menschen geht" haben Karla Schefter auch bei uns bekannt gemacht. Neben vielen Ehrungen wurde ihr für ihren mutigen und risikoreichen Einsatz das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.

Das Krankenhaus in Afghanistan finanziert sich ausschließlich über Spenden und wird auch von den Soroptimisten in Deutschland unterstützt.

Die Präsidentin der Deutschen Union von Soroptimist International, Fördervereinsmitglied Dr. Ulrike Schnell, hat Karla Schefter gebeten, uns in ihrem Vortrag

Frauen und Kinder in Afghanistan - gestern und heute-

aus erster Hand Einblicke in die derzeitige Situation in Afghanistan zu geben.

Wir laden Sie, sehr verehrte, liebe Freunde unseres Klosters, herzlich zu einer Begegnung mit dieser außergewöhnlichen Frau ein:
Dienstag, den 18. Februar, um 19 Uhr im Kloster Haydau, Morschen.

Die Veranstaltung ist kostenfrei. Wir würden uns jedoch freuen, wenn Sie die Arbeit von Frau Schefter mit einer Spende unterstützten.

Mit freundlichen Grüßen

Herbert Wohlgemuth
Stellv. Vorsitzender Förderverein Kloster Haydau


Karla Schefter

Die Ostpreußin Karla Schefter wurde im Jahr 1942 geboren. Mit dreieinhalb war sie zum erstenmal auf der Flucht. Bis zu ihrem zehnten Lebensjahr lebte sie in Mecklenburg und ging dann schwarz über die Grenze in den Westen. Mit 21 Jahren, nach ihrem Krankenpflegerinnen Abschluss, fuhr sie auf einem Frachter nach Brasilien. Bereits mit 24 Jahren baute Karla Schefter, die bei Ordensschwestern streng katholisch erzogen wurde, eine chirurgische Operationsabteilung auf. 23 Jahre lang leitete sie in Deutschland eine solche Abteilung.

 
Karla Schefter fuhr 1989 zusammen mit dem Roten Kreuz nach Afghanistan um dort mit einem "mobilen Krankenhaus" ein Jahr lang zu bleiben. Doch die dortigen Verhältnisse erschütterten sie so sehr, dass sie beschloss dagegen etwas zu unternehmen. Um den Menschen zu helfen baute sie zusammen mit den Afghanen ein Krankenhaus.

Schwester Karla organisiert und kontrolliert das Projekt hervorragend, da sie nahezu ständig anwesend ist (seit 12 Jahren 9 Monate pro Jahr vor Ort).

Sie hat es geschafft, als einzige Frau und Europäerin dort akzeptiert zu werden..

Nur dem langen afghanischen Winter entflieht sie regelmäßig. Diese Aufenthalte in Deutschland stehen dann ganz im Zeichen der Öffentlichkeitsarbeit für das Krankenhaus. Durch Vorträge versucht sie Spenden zu sammeln, damit sie das Krankenhaus erhalten kann. Im Oktober 2001 hat Karla Schefter auf dringendes Bitten der deutschen Botschaft in Pakistan Afghanstan verlassen, da sie als Europäerin von Racheakten der afghanischen Bevölkerung bedroht war; sie kam über Pakistan nach Deutschland zurück, um weiter Geldgeber für das Krankenhaus zu suchen.
Im November wurde sie für ihre großen Verdienste mit dem Fernsehpreis "Bambi" ausgezeichnet.

Dia-Vortrag im Westflügel

Karla Schefter beim Vortrag

Bürgermeister Herbert Wohlgemuth überreicht Karla Schefter als Dank einen Blumenstrauß.

Operieren unter Raketenbeschuss

Karla Schefter berichtete über ihr Krankenhaus in Afghanistan

ALTMORSCHEN. Aus einem zerstörten Kraftwerk ein Krankenhaus in Handarbeit aufzubauen und das in einer Kriegssituation, so etwas leisten nur besondere Menschen. Die Krankenschwester Karla Schefter hat es geschafft und zwar in Afghanistan. Über ihre Erfahrungen und die Erlebnisse in diesem Land berichtete sie auf Einladung des Fördervereins Kloster Haydau in Altmorschen.
Etwa 50 Zuhörerinnen und Zuhörer lauschten gebannt ihrem 90-minütigen Diavortag. Oft glitt dem einen oder der anderen ein Schmunzeln über den Mund angesichts der lebhaften und an Beispielen reichen Erzählweise von Karla Schefter. Sie ist nicht nur die Gründerin des Chake-Wardak-Hospitals, sondern leitet es seit 1989 bis heute. Für ihre Arbeit wurde sie mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.
Eigentlich wollte sie nur ein Jahr in Afghanistan bleiben, jetzt sind es schon dreizehn. Illegal, unter einer Decke versteckt auf einem Lkw, schmuggelte sie sich über die Grenze ins Land. Zu dieser


Hinter der Front bauen für den kleinen Frieden

Zeit regierten noch die Mudschaheddin. Mit 10 bis 15 Stundenkilometern ruckelte der Lkw damals über die Straßen, es gab keine Infrastruktur und ständig wurde irgendwo gekämpft.
Karla Schefter leistete trotz der schwierigen Umstände Erste-Hilfe im Kriegsgebiet, das erste so genannte Krankenhaus bildeten zwei Räume in einem Wasserkraftwerk in Chak, südlich von Kabul. Die Front war in unmittelbarer Nähe, so dass viele Verletzte behandelt werden mussten. Da es in der Provinz so gut wie keine ärztlicheVersorgung gab und das nächste Krankenhaus zwei Tagesreisen entfernt in Pakistan war, entstand die Idee, hier ein richtiges Krankenhaus zu bauen.
1989 wurde der Grundstein des Chak-e-Wardak-Hospitals gelegt,1992 war der erste Teil, die Männerstation, fertig. „Alles in Handarbeit gemacht" und das unter Kriegsbedingungen
führte Karla Schefter ihren Zuhörern die schwierigen Voraussetzungen vor Augen.
Das Krankenhaus ist inzwischen Anlaufstelle für viele Menschen aus der Region, vor allem Frauen und Kinder. Im vergangenen Jahr suchten 40 000 Patienten Hilfe, die stationäre Behandlung ist umsonst. Mit der Verständigung klappe es ganz gut, einige Afghanen sprechen sogar Englisch.
Der Transport zum Krankenhaus jedoch sei schwierig, auch heute noch gebe es kaum Infrastruktur. Viele Patienten kommen deshalb zu Fuß oder werden von ihren Angehörigen getragen. Diese werden dann auch gleich mit versorgt. Immer müsse ein Mann dabei sein, wenn die Patientin oder Begleitperson eines Kindes eine Frau ist. „Das ist in dieser Gesellschaft nun mal so," erzählt die Deutsche. „Auf dem Land leben die Menschen schon immer sehr streng religiös, auch die Verschleierung ist hier normal und wird nicht als Pflicht angesehen."

Die Patienten schlafen teilweise in Feldbetten, zu essen gibt es auch nicht viel, meist Reis, Hirse oder Brot, kaum Gemüse. Wichtig sind die Hebammen, die teilweise im Krankenhaus geschult werden. Die meisten Frauen entbinden zu Hause und dabei stirbt jede zehnte Frau in Afghanistan.
Auch der Analphabetismus von fast 90 Prozent sei ein Problem,



Jede zehnte Frau stirbt bei der Geburt

da die Menschen die Anweisungen auf den Medikamenten nicht lesen können.
Die Medikamente bringt Karla Schefter teilweise in großen Seesäcken aus Deutschland mit oder sie kommen mit Transporten aus Pakistan, Indien oder dem Iran. Dafür sind zuverlässige Helfer nötig: Die Beziehungen zu ihnen hat sich Schefter in den vergangenen dreizehn Jahren aufgebaut.
Wenn die nächsten vier Seesäcke voll sind, macht sich die Krankenschwester wieder auf den Weg ins kalte Afghanistan, wo sie seit dreizehn Jahren alltägliche Probleme bekämpft, die sich hier kaum einer vorstellen kann.
„Nach so einer langen Zeit gewöhnt man sich an alles, auch an den Raketenbeschuss. Doch so ganz ohne Deutschland könnte ich auch nicht leben", erzählt Schefter am Ende und verschenkt symbolisch mit dem letzten Dia ein Blume, ein alter Brauch aus Afghanistan. „Mit Blumen verschenkt man seine Seele".
(ZWL) FOTO: WILL