22. Juni-1.Juli 2007 Westflügel und Refektorium

Öffnungszeiten: täglich von 11:00 bis 18:00 Uhr



Annegret Mahler-Bungers
Aus der Zerstreuung aufgehoben
Zum 80sten Geburtstag von Eugen Mahler

Auszug aus dem Vorwort des oben genannten Buches, welches zur Vernissage der Ausstellung erscheint.

Vor nunmehr 40 Jahren, als die Galerie 123 in Krefeld Eugen Mahlers Scharnier- und Faltobjekte in einer Ausstellung zeigte, wunderte sich die Galeristin darüber, dass der Künstler Arzt sei, denn als Arzt habe er »das mit den Scharnierobjekten und Faltungen doch gar nicht nötig«. Solche Überlegungen stoßen bei Eugen Mahler und bei allen, die ihn kennen, bis heute auf Unverständnis, denn er versteht sich seit jeher als Künstler der Kunst wegen – auch ohne damit Geld verdienen zu wollen oder zu müssen. Im Gegenteil: eigentlich hat er sich dem Kunstmarkt immer verweigert. So beklagte sich der Galerist Rudolf Springer 1967 nach einer Ausstellung in seiner Berliner Galerie Springer, dass der Künstler die kleinen Himmel- und Höllenfaltungen, die er aus selbst gepunkteten und gestrichelten Papieren hergestellt hatte, reihenweise hätte verkaufen können, aber Eugen Mahler hätte sich ja entschieden, »nichts mehr nachzuliefern«. Serienmäßige Herstellung war seine Sache nicht, ebenso wenig wollte er sich auf einen bestimmten Kunststil festlegen lassen. Sicher wäre dies der Zeitpunkt gewesen, seinen Beruf als Psychoanalytiker aufzugeben und sich ganz der Kunstwelt zu überlassen. Er blieb also bei der leidigen und nach den Gesetzen des Kunstmarktes anstößigen Doppelidentität als Psychoanalytiker und als Künstler, die »das große Herauskommen« verhinderte, ihm dafür aber seine Freiheit garantierte, obwohl er – und welcher Künstler würde dies nicht – gelegentlich die geringe öffentliche Wahrnehmung seiner Kunst bedauert.


Prof. Dr. Eugen Mahler
wurde 1927 in Freudenstadt im Schwarzwald als ältester Sohn dreier Kinder eines Studienrats und einer Werklehrerin geboren. 1934 starb seine Mutter. Nach dem Besuch der Grundschule wechselte er ins Gymnasium. Noch als 17jähriger wurde er im Januar 1945 als Sanitätsanwärter der Luftwaffe eingezogen und im April als Sanitätssoldat an die Front nahe Frankfurt/Oder geschickt. Nach wenigen Tagen Fronteinsatz geriet er in amerikanische Gefangenschaft. Im WS 1945/46 begann er 18jährig in Tübingen und dann in Würzburg Medizin zu studieren. Auf Faschingsfesten der Universität bemalte
Beim Bau des Morschener Wandelaltars
er riesige Packpierrollen u.a. mit Motiven nach Tiepolo. 1950 machte er sein Staatsexamen und heiratete 1952 Elisabeth Berger, mit der er drei Kinder hat. Seine Facharztausbildung zum Internisten machte er in der Medizinischen Klinik der Universität Würzburg bei Prof. Ernst Wollheim. Während dieser Zeit begann er sich für die psychischen Ursachen von somatischen Erkrankungen zu interessieren. Als junger Assistenzarzt nahm er 1955 in Nürnberg an einer Sammelausstellung fränkischer Künstler teil und hatte im gleichen Jahr im Würzburger Kunstkabinett seine erste Einzelausstellung mit großformatigen tachistischen Bildern.
[Tachismus (von französisch la tache = Farbfleck) ist eine Richtung des Informel (künstl. Stilrichtung) in der abstrakten Malerei, die in den 1940er Jahren in Paris entstand und bis etwa 1960 aktiv war. Der Begriff wurde geprägt vom französischen Kunstkritiker Pierre Guéguen, der die Werke abfällig tachisme, deutsch Fleckwerk bezeichnete und wird seit 1954 verwendet.
Im Tachismus versucht der Künstler Empfindungen und das Unbewusste spontan und unter Vermeidung jeder rationalen Kontrolle durch Auftrag von Farbflecken auf eine Leinwand darzustellen]–

In der Folgezeit nahm er an verschiedenen Sammelausstellungen teil, im Falkenhaus Würzburg wurden 1959 in einer Einzelausstellung Landschaftsaquarelle von ihm gezeigt. Nachdem er 1959 seine Anerkennung als Facharzt für Innere Krankheiten erhalten hatte, bewarb er sich an der Psychosomatischen Klinik in Heidelberg bei Alexander Mitscherlich um eine Stelle, um dort auch seine psychoanalytische Ausbildung zu machen. Er veröffentlichte in dieser Zeit einige wichtige wissenschaftliche Arbeiten zur Psychosomatik. 1963 bis 1965 war er Oberarzt an der Psychosomatischen Klinik in Gießen bei Horst-Eberhard Richter und Leiter der dortigen Ambulanz. Von 1965 bis 1967 war er Oberassistent am Sigmund-Freud-Institut in Frankfurt am Main. Danach baute er im Auftrag des Studentenwerkes und der Universität in Frankfurt die Psychotherapeutische Beratungsstelle für Studierende auf und leitete diese bis 1972. Seit 1968 arbeitete er gleichzeitig als Psychoanalytiker und Lehranalytiker in eigener Praxis. In dieser Zeit entstand neben zahlreichen wissenschaftlichen Aufsätzen sein Buch Psychische Konflikte und Hochschulstruktur (Fischer-Verlag/Frankfurt 1971). Von 1964 bis 1971 stellte er auf zahlreichen Einzel- oder Sammelausstellungen mit internationalen Künstlern wie Christo, Beuys, Ücker, Mack, Arman u.a. (z.B. auf der Wanderausstellung Kinetik und Objekte) Faltcollagen und Montagen aus. 1972 erhielt er einen Ruf an die Universität Kassel auf einen Lehrstuhl für Psychoanalyse und Gruppendynamik. 1975 heiratete er Annegret Bungers, mit der er drei Kinder hat. Ihr gemeinsamer Wohnsitz ist seither die Heckenmühle in Morschen. Zusammen mit seiner Frau und anderen Kollegen gründete er 1978 das Alexander-Mitscherlich-Institut in Kassel, Ausbildungsinstitut der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung. Zahlreiche Arbeiten zur Gruppen- und Gesellschaftsanalyse entstanden im Zusammenhang mit seiner Lehrtätigkeit. Seit 1980 zeigte Eugen Mahler in seinen Ausstellungen Collagen und Montagen unter dem Titel »Tagesreste«. 1992 wurde er emeritiert.
In der von Ludger Hermanns herausgegebenen Reihe Psychoanalytiker in Selbstdarstellungen ist im Frühjahr 2007 seine Autobiographie erschienen.

Einige Werke des Künstlers
Mistkäfertriptychon
Vergrößerung: Bild anbklicken!
.
Der Morschener Wandelaltar
1. Ansicht: DIE SCHÖPFUNG 345x270 cm Mischtechnik auf Leinwand
.
2. Ansicht: ROT UND BLAU 395x540 cm Ölfarbe auf Leinwand
.
3. Ansicht: HIMMEL- UND HÖLLENFALTUNGEN 395x540 cm
stern- und SPIEGEL-Papier auf Modellkarton
.
4. Ansicht: SCHNITZWERK, FUNDHÖLZER und OBJEKT-SPIEGELKÄSTEN 395x540 cm
.
Berliner Triptychon
Vergrößerung: Bild anklicken!

Vergrößerung: Artikel anklicken!


Vergrößerung: Artikel anklicken!


Vernissage am 22.6.2007

Die Kulturringvorsitzende Dorothea Becker-Puhl begrüßte die zahlreich erschienenen Besucher und eröffnete die Vernissage im Refektorium von Kloster Haydau.

Michael Schulz, Operndirektor des Nationaltheaters Weimar, hielt die Laudatio.

Prof. Dr. Eugen Mahler, der Künstler, hier mit seiner Frau Annegret, erläuterte Funktion und die verschiedenen Ansichten des Morschener Wandelaltars.

Im Westflügel konnten die Besucher musikalischen Klängen lauschen, die die Vernissage nicht nur zu einem Augenschmaus machten.

Es folgen einige Kunstwerke ...